Was ich jetzt (nachdem es
mich in die Fremde verschlagen hat) meine Heimat nenne, ist ein
Dörfchen genannt Langenberg, daß ca. 600 Einwohner
umfaßt. Das ist jedenfalls, was wir Einwohner von
Raschau-Ortsteil Langenberg auf entsprechende Fagen antworten
- insgesamt bringt es unsere Ortschaft auf ca. 8500 Leute, aber wie
gesagt: der "Rest" zählt doch nicht.
Mangels volksbildnerischer Einrichtungen in Langenberg bin ich dann aber doch - um die Verwirrung perfekt zu machen - in Raschau bis zur 10. Klasse zur "Polytechnischen Oberschule" gegangen und habe anschließend noch zwei Jahre auf der EOS in Schwarzenberg - manchen vielleicht aus Stefan Heims Roman bekannt - drangehängt.
Dort habe ich ich mir einen fakultativen Kurs "Informatik" ausgesucht, in dem wir unsere ersten BASIC-Programme zusammenbastelten. Das hat mir höllischen Spaß gemacht, und als selbiger auch nach zwei Jahren und ein paar immerhin schon PASCAL-Stunden noch immer nicht nachgelassen hat, war ich mir sicher, dass ich Informatik studieren möchte.
Mein Vordiplom habe ich 1992 an der TH Köthen abgelegt und bin anschließend an die Otto-von-Guericke-Universität nach Magdeburg gewechselt. Dort habe ich die Vertiefungsrichtung "Simulation und Graphik" gewählt und im Juli 1995 mein Diplom verteidigt.
Danach - des Studierens noch immer nicht überdrüssig - erntete ich die Früchte einer durch viele Runden gekämpften Bewerbung für ein Fulbright Stipendium und machte mich erstmal aus dem Staub - in die Staaten. Hier studiere ich z.Zt. am EVL (Electronic Visualization Laboratory) der UIC (University of Illinos at Chicago) und hole alles das nach, wozu ich während meines fünfjährigen Informatik- Studiums in Deutschland keine Zeit oder Gelegenheit hatte.
Das ist insbesondere Graphikprogrammierung, wie man sie richtig
machen sollte, nämlich unter UNIX mit X und GL. (Ach... so
ein wenig Fachsimpelei, das ist doch was, oder?
) Am EVL liegt
der besondere Schwerpunkt auf Virtual Reality und so habe auch ich in
den vergangenen 6+ Monaten meine ersten VR-Applikationen
für das CAVE
geschrieben. Das macht
wirklich
Spaß! Insbesondere weil
man hier eine Synthese zwischen Künstlern und Technikern
anstrebt, was mir die Gelegenheit gibt, zu meinen Technik-orientierten
Studienjahren ein wenig Kunstverständnis und
vielleicht auch das eine oder andere "Werk" hinzuzufügen.
Durchgearbeitete Nächte und in Tonnen
verlorengegangene Nerven (oder einfach nur der Alltag eines
amerikanischen Studenten) brachten mich dazu, in den
vergangenen Monaten so viel zu lernen,
wie noch nie in meinem Leben. - Ich war
ziemlich auf PCs fixiert und habe mich innerhalb der letzten Monate
durch X, GL und die CAVE-VR-Library hindurchgebissen.
Ein schöner Sprung, oder? Ich jedenfalls bin geneigt zu
behaupten, daß das EVL der ideale Platz für jeden
Computer-Graphiker ist, und ich werde mit Sichherheit
auch mit einem weinenden Auge im Mai '96 nach Deutschland
zurückkehren. Trotzdem, der Klang von "zu Hause" übt doch
eine
geheime Anziehungskraft
aus, und so werde ich mich eben daran
machen, VR "auf dem anderen Kontinent" zu entdecken...
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